Mobile Apps – Technologietrend laut Horizon-Report #opco12


Diese Woche sind Apps das Thema beim OpenCourse 2012. Ich habe ein wenig Bauchschmerzen, wenn es um dieses Thema geht. Das liegt an verschiedenen Aspekten, die mir dabei einfallen.

Definition und Abgrenzung App
Was ist eine App? Worin unterscheidet sie sich dann von einem PlugIn oder AddOn?
Das PlugIn ist ein Erweiterungsmodul, welches den Funktionsumfang einer Softwareanwendung über freigegebene Schnittstellen (API) ergänzt. Auch das AddOn erweitert den Funktionsumfang von Software durch das Hinzufügen von Code, welcher im Gegensatz zu AddIns aber auch ohne Probleme wieder entfernt werden kann. Im Gegensatz zum PlugIn allerdings verschmilzt hier die Software mehr (Erweiterung nicht über Schnittstellen).

Apps ist die Abkürzung für engl. application. Damit sind kleine Programme gemeint, die man für seine Tabletts, Smartphones und mit bestimmten Betriebssystemen ausgestattete Rechner beziehen kann. Ihre Installations und Deinstallation ist recht einfach. Die Apps können mit nur einer Funktion ausgestattet sein bis hinzu sehr vielen. So kann es sein, dass beispielsweise nur einzelne Inhalte (z.B. News, Bilder) und Datenbanken aufgerufen werden oder reine Benutzerschnittstellen angeboten werden, welche wiederum eine effiziente Nutzung z.B. von Webangeboten ermöglichen. Beispiele: dazu zählen die angebotenen Apps von Twitter, Facebook etc.

So weit so gut… Also Apps sind im Gegensatz zu PlugIns (Erweiterung über Schnittstelle, selbständige Software) und AddOns (Erweiterung durch Code) eigenständige Programme unterschiedlichen Funktionsumfangs.

Problem: Möchte ich als Andwender so ein Programm installieren, muss ich es aus dem App-Market besorgen, der zu meinem Betriebssystem gehört, d.h. als Android-Nutzer muss die App aus dem Google Play-Market kommen, als Apple-Nutzer der aus dem App-Store von Apple und als Windows-Nutzer… usw. Für mich als Entwickler heißt dies im Umkehrschluss, ich muss für alle verfügbaren Betriebssysteme eine funktionable App entwickeln und zudem muss diese App aufgrund der schnellen Entwicklungsfolge der Betriebssysteme für mehrere Versionsgenerationen laufen.

Nach diesen Überlegungen habe ich mir die Online-Veranstaltung zum OPCO12-Thema der Woche angehört.

Hier meine Mitschrift zur Online-Live-Lesung vom 25.04.2012 von Christoph Igel gehalten.

Die Apps verbreiten sich im mobilen Bereich sehr schnell. Damit ist jede Form von Anwendungsprogramm gemeint. Apps prägen den Sprachgebrauch aber eine Durchsetzung ist auch zu sehen bei der Verbreitung. Die Entwicklung in diesem Bereich ist sehr rasant und jeder Smartphone-Nutzer hat ca. 50 Apps auf seinem Handy.

Das hat Auswirkungen auf den Bildungsbereich. Mobile-Apps wurden erstmals daher auch im Horizon-Report aufgenommen, aber in anderen Trendstudien ist man da bereits seit längerem dabei. Mobile Apps und Tablet Computing sind nicht trennscharf. Apps sollen daher eher als Funktion betrachtet, während Tablet Computing eher mit Hardware-Bezügen betrachtet werden.

Die Geräte sind jetzt da, aber Mobile Learning ist doch schon etwas älter, was Begriffe wie „Wireless Learning“ oder „Ubiquitous Learning“ zeigen. M-Learning funktioniert nur mit guten Endgeräten und entsprechend guten Oberflächen (Interfaces). Der Lernende ist dabei mobil, d.h. er ist nicht auf einen Ort und Zeitraum festgelegt. Die Lernumgebung selbst wir mobil aufgebrochen. Die Lernsituation ändert sich dadurch und die Lerninhalte müssen sich daran anpassen. Mobiles Lernen ist eher adhoc-Lernen, situiertes Lernen ist möglich. Qualifizierung passiert näher am Leben, an eigenen aktuellen Bedürfnissen.

Wie ist das nun bei der Entwicklung von m-Learning-Angeboten? Da gibt es derzeit zwei Entwicklungslinien, die zu beachten sind. Einmal müssen die Inhalte für mobile Zwecke angeboten werden und andererseits müssen entsprechende Apps entwickelt werden.

Inhalte wären bspw. E-Lectures, mobile Websites. Die Applikationsseite wären dann entsprechende passende Angebote wie z.B. „Arguemented Reality Browser“, Player mit ggf. Annotationsmöglichkeiten und Chatfunktion etc. Die Apps werden unabhängig von den Inhalten gebaut und sollten zudem die inherenten Geräteeigenschaften zur Verbesserung und Ergänzung der Funktionsmöglichkeiten mit beachten, z.B. markieren bestimmter Aspekte in Textdokumenten durch Verwendung des Touch-Displays mobiler Endgeräte.

Bei der Entwicklung der Apps sollten zudem beachtet werden: Welche Ziele werden beim M-Learning verfolgt, welche Mehrwerte können durch Apps erbracht werden, wie setzt sich die Zielgruppe zusammen (technische Fähigkeiten), welche Methodik/Didaktik soll angewendet werden und welche Lernszenarien werden berücksichtigt?
Eine große Herausforderung stellt auch die User-Interfaces. Problem heutzutage durch die verschiedenen Betriebssysteme (6 Stück mit unterschiedlichen Möglichkeiten) müssen alle bedacht werden. Dies ist sehr aufwändig und kostengünstig.

Bei den Apps daher ein Trend zu ganz unterschiedlichen Formen zu sehen:

  • Native Apps – über Shop erwerbbar, für ein bestimmtes Betriebssystem erarbeitet, meist mit vollem Funktionsumfang <– Mehrfachentwicklung, hohe Kosten
  • Hybride Apps – welche Grundfunktionen über native Elemente realisiert, zusätzliche aber über webbasierte Angebote<– Mehrfachentwicklung, Baukastenprinzip, kostengünstiger, Teile der Hardware kann nicht angesprochen werden
  • Web Apps – welche web-/browserbasiert funktionieren, damit plattformunabhängig sind, aber über keinen App-Store zu beziehen sind (Frage der Sichtbarkeit der Apps) <– Einmalentwicklung, kostengünstig, eingeschränkterer Funktionsumfang

Was will man erreichen?

Einen Vorteil haben diese M-Learning-Angebote. Sie sind permanent verfügbar (zugreifen können jederzeit von überall durch jedermann auf verschiedene Arten udn Weisen) und somit besser in die Lernsituationen des Einzelnen integrierbar. Dennoch müssen sich hier noch Standards entwickeln, gerade in Bezug auf Nachhaltigkeit und dauerhafte Verfügbarkeit. Auch die Sicherheit der Apps ist noch ein ungelöstes Problem (Fehleranfälligkeit, Trojaner, Viren etc.). Fragen des Datenschutzes usw. müssen auch geklärt werden, sowie die Lerninhalte müssen entsprechend angepasst und mobil verfügbar gemacht werden. Wie können klassische digitale Lerninhalte aufbereitet werden und zugänglich gemacht werden?

Auch Fragen bezüglich der Barrierfreiheit dürften bei der Entwicklung von Apps maßgeblich auftauchen, für mit Einschränkungen in Bereichen des Hörens, Sehens und der Körperbehinderung.

Die Inhalte für die Apps werden aus unterschiedlichen Learning Management Systemen herausgelesen, z.B. Moodle, Clix usw. Auch Schulen springen langsam auf diesen Zug auf. Bedarf aber zum Teil eine gewisse Zentralisierung.

Im Hochschulbereich kommen Apps so langsam an.
Entnommen: 23. April – 04. Mai 2012: Mobile Apps, OPCO12

Das war eine interessante Diskussion, die meine eigenen Vorbehalte zu Apps in diesem Bereich ein wenig abgeschwächt haben. Sicherlich lernen muss jeder noch selbst, aber der Lernprozess kann durch Apps unterstützt werden. Interesse muss jedoch vom Lernenden selbst mitgebracht werden. Führen Apps aber nun zu einer Zerstückelung von Lerninhalten oder ergänzen Sie sie diese eher? … Ich muss das noch ein wenig sacken lassen und in Diskussionen an andere Stelle nochmal beleuchten… Zumindest hab ich jetzt wieder einigen Denkstoff mitgenommen und für mich auch ganz andere Dinge im Vorfeld klären können.

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2 Kommentare zu “Mobile Apps – Technologietrend laut Horizon-Report #opco12

  1. Noch ein Gedanke.

    Mir stellt sich die Frage, was sollen Lehrende noch alles bedenken? Selbst wenn sie keine Apps programmieren, müssen Sie bei der Erstellung ihrer Lehrinhalte die „Grenzen“ der mobilen Zugänge bedenken. Didaktisch und inhaltlich müssen daher schon viele Dinge, z.B. die Formate, in denen Schulungsmaterialien abgespeichert werden sollen, bedacht werden. Die meisten Lehrenden in Bibliotheken (mein Erfahrungsumfeld) heute sind jedoch alles andere als didaktisch geschult. Sie haben auch gar nicht die Zeit, sich sehr intensiv damit auseinander zu setzen, denn Lehraufgaben sind nur ein kleiner Teil ihrer täglichen Arbeit.

    Die technische Umsetzung in einer nativen oder hybriden App sind wünschenswert, aber nur ein geringer Teil der vorhandenen originär bibliothekarischen Angebote ist überhaupt für mobile Endgeräte aufbereitet. IT-Kräfte werden gebündelt, um Herausforderungen, wie Discovery-Services und Bibliothekssysteme zu händeln. Kleinere Bibliotheken können selbt das nicht schaffen. Lehrplattformen haben in den Bibliotheksverbünden keine Priorität, da dies häufig in der Verantwortung der Hochschulen gesehen wird. Dort wiederum haben bibliothekarische Belange keine Priorität und werden nur als Service gesehen, nicht als überlebensnotwendig und hilfreich… Irre ich mich da?

  2. Pingback: MOOC, OPCO – E-Learning anders? [Update 01.05.2012]

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